Allgemeines zum Kirchspiel Puschdorf





Das Kirchspiel Puschdorf wurde bereits vor 1515 gegründet. Es ist das
am Weitesten nach Westen reichende Kirchspiel des Landkreises Insterburg.
Die alten Siedlungen gehören zum vorderen Raum der von Westen her 
vordringenden deutschen Dorfsiedlung, sie waren daher bereits zur Zeit ihrer
Anlegung gegen Überfälle der östlichen Nachbarn leidlich gesichert und
konnten sich günstig entwickeln.

Im Jahre 1287 wird das Gut Piathen erwähnt, 1404 Puschdorf und Almenhausen,
1423 Stablacken, 1446 Dorf Piaten, Ranglacken und Reiffschlägers, 1506
Damerau, 1634 wird Klein Eschenbruch und Kuhfließ genannt.

Als Chatoulsiedlungen sind unter anderem zu nennen: Moritzlauken 1637,
Groß Eschenbruch 1664, Klein Jägersdorf 1684.

Wie überall im nördlichen Ostpreußen, entvölkerte die schreckliche Pest
in den Jahren 1709/10 auch das Kirchspiel Puschdorf. - Auch hier sorgten
die Landkäufe des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, wieder für Ordnung
und Leben in den Dörfern und Gütern. - Große Not litten die Bewohner des
Kirchspiels während der Schlacht bei Groß Jägersdorf am 30.08.1757, ebenso
wie während der Besatzungszeit durch die Russen 1758-1762.

Bis zum Jahre 1815 gehörten Damerau, Piaten Gut und Dorf, Puschdorf, sowie
Stablacken zum Königsberger Departement; Landrätlicher Kreis Tapiau und
wurden erst dann zum Regierungsbezirk Gumbinnen geschlagen, Landrätlicher
Kreis Insterburg.

Bei Durchführung der Seaparation 1821-24, - Freisrellung der Bauern in den
Dörfern (Abschaffung der Leibeigenschaft) - verlor der Fürst von Anhalt-
Dessau - gegen Entschädigung - seine Besitzrechte an Damerau, Klein Eschenbruch,
Frohnertswalde, Kuhfließ, Puschdorf, Ranglacken und Stablacken. In seinem
Besitz blieben die Domänen und Vorwerke und die Forst.

Erst nach Durchführung der Seaparation war es möglich, in jedem Dorfe einen
eigenen Friedhof anzulegen.

Zum Schiedsmann für das Kirchspiel wurde 1857/59 gewählt und bestätigt,
der Grundbesitzer Oschlies in Groß Eschenbruch, sein Stellvertreter war
Grundbesitzer Gelleßun aus Groß Eschenbruch.

Größeren Grundbesitz, über 100 ha mit Vorwerken, wiesen 10 Güter auf, davon 5 (*) 
in Fürstlich Anhalt-Dessauischen Besitz; Eichental (Almenhausen * 236 ha);
Groß Eschenbruch (Kl. Eschenbruch 138,5 ha, Moritzlauken * 294 ha, Frohnertswalde
177 ha, Kugfließ 110 ha); Jägertal (Albrechtsthal * 158 ha); Piaten (Gut Piaten * 
551 ha - 1936 aufgesiedelt); Pregelau (Stablacken 105 ha, Kutkehmen * 557 ha); 
Puschdorf 175 ha.

Von diesen Gütern waren im Jahre 1857 in der Handmatrikel der in sämtlichen
Kreisen des Preußischen Staates auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter
vermerkt; nur die Güter des Fürsten zu Anhalt-Dessau, im gesamten Grundbesitz
zusammengefaßt.

An Waldungen lagen im Kirchspiel Puschdorf, im Norden rund 2700 ha der
Waldhausener Forst, die dem Fürsten von Anhalt-Dessau gehörte, mit den
Försterein Eichental (Ranglacken), Albrechtsthal, Pfeiffershöhe und Rose.
Das gesamte Waldhauser Forstrevier zieht sich über die Kirchspiele 
Norkitten und Puschdorf hin und umfaßt eine Grundfläche von 4936 ha.

Im Süden befinden sich mit rund 3500 ha die Waldungen der Astrawischker
Forst, in staatlichem Besitz, mit den Förstereien Burgdorfshöhe, 
Buchwald (Rahnkalwen) und Eschengrund.. - Nach 1929 erfolgte die Zusammen-
fassung der Restteile der Astrawischker Forst und der Kranichbrucher Forst zum
Forstgut Kranichbruch., mit einer Gesamtgrundfläche von 9833,4 ha.
Sie liegen im Kirchspiel Puschdorf, Obehlischken, Didlacken und Jodlauken.

Die Ergebnisse verschiedener Volkszählungen aneinander gereiht, ergeben
ein treffendes Bild über die Anzahl und Gliederung der Bevölkerung, ihre
Lebensbedingungen und ihren Lebensraum im Kirchspiel Puschdorf.

An Feuerstellen (Großfamilien) gab es in 1785 186. in 1815 185; es wurden
an Seelen (Bewohner) gezählt, in 1815 1337.

Im Kirchspiel waren vorhanden: Wohngebäude in 1871 238, in 1905 260, in
1925 274, Haushalte in 1871 525, in 1905 485, in 1925 528, in 1939 597,
Einwohner in 1867 2484, in 1871 2561, in 1905 2215, in 1925 2285, in 1933
2274, in 1939 2277, männlich in 1871 1249, in 1905 1045, in 1925 1116, in
1939 1147.

Im Jahre 1871 waren 686 Personen unter 10 Jahre, 1361 konnten lesen und
schreiebn, 8 machten keine ANgaben darüber, 506 Analphabeten; 9 mit
Gebrechen, wie blind, taubstumm, irr- oder blödsinnig.

Als Religion wurde überwiegend evangelisch geanannt, es bezeichneten sich
als katholisch in 1905 10, in 1925 15; als sonstige Christen in 1871 2,
in 1925 8.

Die Muttersprache war deutsch, in 1905 nannten noch 1 litauisch und 8 deutsch
und eine andere.

Die Altersgliederung der Bevölkerung 1939: 304 Personen unter 6 Jahre,
352 zwischen 6-14, 1399 zwischen 14-65, 222 über 65 Jahre alt.

Es waren 1939 beschäftigt: 1231 in der Land- und Forstwirtschaft, 537 in
Handwerk und Industrie, 156 in Handel und Verkehr; - mit Angehörige ohne
eigenen Beruf waren 320 selbständig, 351 mithelfende Familienmitglieder,
108 Beamte und Angestellte, 1242 Arbeiter.

Anzahl und Größe der landwirtschaftlichen Betriebe 1939: 111 zwischen
0,5-5 ha, 27 zwischen 5-10 ha, 36 zwischen 10-20 ha, 38 zwischen 20-100 ha,
10 über 100 ha.

Die Gesamtgrundfläche des Kirchspiels betrug 10505 ha, davon rund 6200 ha
an Waldungen (2700 ha der Waldhausener Forst, 3500 ha der Astrawischker
Forst).

Im Kirchspiel Puschdorf gab es 22 alte amtliche gültige Ortsnamen, durch
Eingemeindung und Umbennenung gingen unter 11 Ortsnamen ( 1 in 1751, 5 in
1928, 1 in 1929, 4 in 1938). Hinzu kamen 9 Ortsnamen (5 in 1928, 4 in 1938),
so gab es im April 1939 noch 20 amtlich gültige Ortsnamen, 6 als Gemeinde-
namen und 14 Ortsnamen für Ortsteile dieser Gemeinden.

Standesbeamterdes Standesamtes Puschdorf war im Jahre 1914 Landsberger,
Puschdorf.

Amtsbezirke zu denen die Güter und Dörfer des Kirchspiels Puschdorf gehörten,
sowie die Amtsvorsteher und ihre Stellvertreter:
Amtsbezirk Puschdorf: 1914 Kroek, Piaten / Laupichler, Puschdorf; 1934/37
Walter Grigull, Siedler, Piaten / Hugo Molgedey, Landwird, Eichental. -
Amtsbezirk Groß Eschenbruch: 1914 Wangnick, Kl. Eschenbruch / Scharffetter,
Gr. eschenbruch; 1934/37 Fritz Loetzner, Schneidemühle Gr. Eschenbruch / Erich
Prange, Kaufmann, Jägertal. - Amtsbezirk Almenhausen: 1914 Giese, 
Albrechtsthal / Oschlies, Almenhausen. - Amtsbezirk Burgdorfshöhe: 1914 Wels,
Burgdorfshöhe / Stahl, Kranichbruch.

Die Kirche in Puschdorf.

Die erste Kirche in Puschdorf, mit Stabalcken gemeinsam, stammte sicher
schon aus der Ordenszeit. Nach der Inschrift auf der großen Kirchenglocke
MCCCCCX, sowie nach ausgegrabenen Tauf- und Weihsteinen zu urteilen, ist
die altehrwührdige Kirche "im Busche" vor dem Jahre 1515 gegründet.

Nach einer sage sollte das Gotteshaus erst auf einem anderen Platz erbaut
werden, "die Engel" brachten über Nacht aber immer das angefahrene
Baumaterial an den Ort, wo schließlich, dem Hinweis folgend, die Kirche
erbaut wurde.

Sie wurde aus starkem Mauerwerk erstellt, gestützt durch feste Strebfeiler,
geziert mit einem schlanken hölzernen Turm von ansehnlicher Höhe, von dem
3 Glocken zur Andacht riefen. Im Inneren fromme Bibelsprüche, welche an der
Decke unter den schönen Gemälden standen. Die Fensterscheiben waren bemalt
und viele Kerzen aus Wachs erhellten den sonst düster wirkenden Raum. Eine
Orgel war nicht vorhanden. Patron der Kirche war der Magistrat der Altstadt
Königsberg.

Die wohlhabenden Gutsherrn des Kirchspiels Puschdorf die Repräsentanten
der Altstadt Königsberg taten viel zur Ausstattung ihrer Kirche. - So schenkte
1619 der Vogt der Altstadt Königsberg, Jonas, ein großes messingnes
Taufbecken, 1627 Hans Himmelreich, Vogt der Altstadt Königsberg, einen silbernen
schön vergoldeten Kelch, 1631 Balzar v. Schlubhutt der Ältere, kostbare
Altardecken, eine silberne Kanne und wohl auch den schönen silbernen Kelch
mit der Jahreszahl 1631.

Im Jahre 1637 wurde der Altar gebaut, 1640 eine neue Kanzel. - Hans Kluyke
und seine Frau Dorothea schenkten 1647 zwei schöne messingne Altarlauchter.
In diesem Jahr wurde die Kirche, die Decke und die Kanzel ausgemalt.

Mehr als zwei Jahrhunderte diente dieses Gotteshaus der Gemeinde, dann war
es so baufällig, daß es abgerissen werden mußte.

Während der Großen Pest in den Jahren 1709/10 wurde mehr als die Hälfte der
Bevölkerung des Kirchspiels hingerafft.

Im Jahre 1726 erwarb der Fürst von Anhalt-Dessau Puschdorf nebst anderen
Gütern, auch das Lehnsrecht über die Kirche. Als Patronatsherr baute er der
Puschdorfer Gemeinde eine neue Kirche. Als im August 1775 die Schlacht bei Groß
Jägersdorf tobte, wurde Puschdorf, bis auf die Kirche und 9 weitere
Häuser, vollständig niedergebrannt. - Die wertvollen Altargeräte der Kirche
sollen sicherheitshalber in den Brunnen des Bauern Audirsch versenkt worden
sein. - Später wurde diese neu erbaute Kirche aber durch Blitzschlag zerstört.

Während der Zeit der Bauarbeiten für ein neues Kirchengebäude wurde der
Gottesdienst für die Gemeinde in der Scheune des Pfarrers gehalten.

Am 19.11.1796 konnte dann, an Stelle der zerstörten Kirche, das neue Gottes-
haus eingeweiht werden. - Es war ein massiver rechteckbau aus feldsteinen
ohne Turm. Statt dessen wurde im Westen, neben der Kirche, ein Glockenhaus
in Fachwerk errichtet, in dem zunächst 2 Glocken hingen, die große von 1510
mit der Inschrift "Maria behot uns got in aller not", und die kleinere, mit
einer lateinischen Inschrift versehen. Im Jahre 1860 kam noch eine dritte
Glocke hinzu. - Die schmiedeeiserne Wetterfahne auf dem Glockenhaus trug
das Wappen von Anhalt und die Buchstaben LFFFZA 1796 (Leopold Friedrich
Franz Fürst zu Anhalt).

Dieses geräumige freundliche Gotteshaus ist 28 m lang, 11 m breit und 6 m
vom Boden bis zur Decke, letztere ist eine flache Holzdecke, 8 Fenster
spenden genügend Licht. Altar und Kanzel stammen aus der alten Kirche (1638),
sie wurden 1770 zu einem Kanzelaltar vereinigt. Die Emporen (1640) und der
Fürstenstuhl kamen ebenfalls aus der alten Kirche.

1790 beging Präzentor Falkenau sein 40. Jubiläum als Schulamtsverwalter,
seine Vorfahren waren über 100 Jahre Schulhalter gewesen.

Im Jahre 1794 mußte das Glockenhaus neu gebaut werden. Während der
Bauarbeiten hingen die Glocken zwischen den Ästen der großen Lindenbäume,
welche auf dem Kirchhof standen.

Als auf Anordnung im Jahre 1809 sämtliches Silberzeug gestempelt werden
mußte, Kosten 6 Silbergroschen pro Loth (damals 1/32 Pfund), mu&sz;ig;te die
Kirche einen schönen silbernen Beichtkelch und die dazugehörigen Patente
in Zahlung geben, um damit die entstandendenen Kosten zu decken. - 1821 
schenkte der Schiffer Hinz aus Stablacken der Kirche 2 große Altarlichte.

Am 18.04.1824 wurde der ehemalige Glöckner der Kirche, Gottfried Duwe,
beerdigt. er hatte ein biblisches Alter von 107 Jahren erreicht.

Im Jahre 1830 konnte die Gemeinde eine Orgel von der altstädtischen Kirche
in Königsberg erwerben, die aber bereits 1836 durch eine weit größere von
der reformierten Gemeinde in Memel ersetzt wurde. - 1830 schaffte die
Gemeinde für das Gotteshaus auch 3 schöne Glaskronleuchter an. Das Kirchen-
dach wurde neu eingedeckt und das ganze Kirchengebäude innen und außen
verworfen und abgeputzt. Im Inneren die Decke neu gemacht und angestrichen.

Am 03.08.1832 fand in der Kirche eine Gedächtnisfeier der vor 100 Jahren
erfolgten Einwanderung der evangelischen Salzburger statt. Aus Spenden der
Nachkommen Salzburger Einwanderer und anderer, wurde das auf dem Altar der
Kirche stehende Cruzifix von Gußeisen, sowie die beiden großen Liedertafeln
an den Wänder der Kirche geschaffen. - Der Kirchenvorsteher Schwertfeger
schenkte der Gemeinde einen geschmackvoll gearbeiteten Tauftisch.

An den Wänden des Gotteshauses wurden Ehrentafeln aufgehängt mit den Orden
und den namen der verstorbenen Kriegsteilnehmer von 1813, 1816, 1864 und
1870/71, wie eine Gedenktafel für die gefallenen des Weltkrieges 1914/18,
die 57 Namen nannte.

Die Pfarrer der Kirche: Vor 1550 Laurentius Kleye, er klagte, er müsse sein
Leben "in aller armut und pracherei" zubringen und hart mit dem Trotz der
Bauern kämpfen; vor 1600 Johann Treptau und Thomas Falenhahn; 1584-1602
N. Martin und Valentin Biber; 1602 Daniel Hennings; 1607 Fabian Radewalt;
- 1626 Daniel Kahl und Johann Schnitzenbäumer; 1626-1661 Balthasar Neander,
er und seine Frau sind an der Pest gestorben, die hier 1656/57 und 1661
herrschte; 1661-1676 Christoph Kalau; 1676-1704 Martin Kalb; 1704-1708 Johann
Daniel Valentini; 1708-1711 Reinhold Engelien, die beiden letzten standen
mit ihrer Gemeinde immer auf Kriegsfuß; 1711-1734 Gottfried Albrecht; 1736-
1749 Carl Gottsched; 1750-1758 Joahnn Christoph Wessel; 1758-1761 Theodor
Friedrich Trentovius; 1762-1771 Heinrich Ephraim Trentovius; 1771-1786 Ludwig
Wilhelm Pauli; 1786-1789 Ernst Christian Anders; 1790-1796 Christoph Andreas
Sachs; 1798-1819 Iräneus Mans. Rud. Suche, er beherrschte die französische
Sprache und konnte somit viel Unglück von der Gemeinde während der Kriegs-
tage fern halten; 1820-1827 Johann Christian Hirsch; 1828 - Ludwig
Tobien; 1857-1863 Friedrich Gustav Dewitz; 1863-1867 Johann Eduard
Siebert; 1867-1897 Johann Carl H. Köhler; 1897 V.- Franz Emil Schmidt;
1897-1903 Johann Friedrich C. Siebert; 1903-1927 Waldemar Ammon; 1927-1945
Paul Just.

Die Kirchenbücher: (bis 1785 gehörte Almenhausen zur Kirche Wehlau; bis 1850
Groß Eschenbruch, Klein Jägersdorf, Forstgut Ranglacken zur Kirche Norkitten).
Bei der Zentralstelle für Genealogie in 04329 Leipzig, Schongauer Strasse 1, 
sollen Mikrofilme folgender Kirchenbücher vorliegen: Taufen 1631-1684, 1757-1801, 
1811-1833; Trauungen 1631-1684, 1757-1775,  1785-1801, 1811-1833; Sterbefälle 
1757-1779,  1785-1801, 1811-1833, 1844.