Nachrichten über den Erwerb der in Ostpreußen belegenen Sr. Hoheit dem regierenden Herzoge von Anhalt gehörigen Güter und über die Privilegien, welche denselben verliehen sind.
In den Jahren 1709 und 1710 wurde das Königlreich Preußen durch eine grauenhafte Pest heimgesucht. Ein sehr großer Teil der Bevölkerung erlag der Seuche. Auch bei dem Vieh brach ein allgemeines Sterben aus. Die Folge davon war, dasß ganze weite Landstrecken verödeten. Namentlich in der Gegend Ostpreußens, in welcher jetzt der Sr. Hoheit dem Herzoge von Anhalt gehörige Güter= Complexus liegt, hatte die Seuche unter den Menschen und Tieren zahlreiche Opfer gefordert. Nach den vorhandenen spärlichen Nachrichten waren mehr als die Hälfte aller Bewohner der Kirchspiele Norkitten, Puschdorf und Insterburg dahingerafft. Einer in dem folgenden Jahre (1711) ausgebrochenen Pockenseuche erlagen eine Masse Kinder und zwar vorzugsweise Kinder der Neueingewanderten. Jammer und Elend waren in den nächsten Jahren unsäglich (*1)
Vorzüglich ging es den Landbesitzern traurig, denn es fehlten ihnen Kräfte zur Bearbeitung des Landes. Sie sahen sich genöthigt Schulden auf Schulden zu häufen und gingen zum großen Theile zu Grunde.
Im Jahre 1721 bereiste König Friedrich Wilhelm in Begleitung des Fürsten Leopold von Anhalt die von der Pest vor 11 Jahren verwüstete Gegend, um sich von dem darin herrschenden Elende in Person zu überzeugen. Bei dieser Gelegenheit sprach Friedrich Wilhelm den Wunsch aus, es möge Fürst Leopold einen Strich des verwüsteten Landes käuflich erwerben und in Stand setzen (*2).
Bereitwillig ging der Fürst auf diesen Wunsch ein und kaufte noch in demselben Jahre die Hauptgüter Bubainen, Schwägerau und Norkitten nebst Woynothen - den Kern des jetzigen Gütercomplexus. Die weiteren Erwerbungen geschahen nun in rascher Folge, so daß, mit dem Ankauf von Puschdorf, Stablacken und des Restes von Piathen bereits im Jahre 1726 die Güter zum größten Theil in ihrem gegenwärtigen Umfange dem Fürsten Leopold gehörten.
Chronologisch nach den Daten der Kauf=Kontrakte geordnet, geschaheb die Erwerbungen wie folgt (*3) [hier werden nur die Orte des Kirchspiels Puschdorf genannt}:
Seite 6, Nr. 12:Die zu "puren Mahns=Lehn=Rechten" verschriebenen, dem Capitän Wolff v. d. Gröben, Erbherrn von Wittmannsdorf, seit 1709 verpfändeten Almenhausen'schen Güter laut Contract d. d. Lisken und Bubainen den 16. und 18. August 1724 von den Vormündern des minderjährigen Besitzers Ludwig Gottlieb v. Lesgewang für "vollständige Reluition" und 1.000 Gulden "current" an den p. v. Lesgewang. Die an den Pfand=Inhaber Wolff v. d. Gröben gezahlte Reluitions=Summe betrug 12.500 Rthl., so daß der ganze Kaufpreis sich auf 12.833 Rthl. 10 Sgr. beläuft.
Seite 6, Nr. 13:Die Güter Pogahten, Eschenbruch, Kuhfließ und Damerau sind mittels Contracts d. d. Pojahten und Bubainen, den 11. September 1724 von der Witwe des Johann Christoph Pöpping, verehelichte Catharina Grayin, für 7.000 Rthl. und "ein Schlüsselgeld" von 100 Rthl. gekauft. Diese Güter bestehen in 18 Huben zu Pojahten (verliehen vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm d. d. Cölln a. d. Spree den 2. November 1660 zu köllmischen Rechten) und 7 Huben daselbst (verliehen vom Ordensmeister Markgraf Albrecht d. d. Königsberg, Mittwoch nach St. Jacobi 1506 zu Preußischen Rechten) worin das Dorf Damerau begriffen; ferner 20 Hufen im sogenannten Ellern= oder Eschenbruch, welche Kurfürst Georg Wilhelm unterm 24. Mai 1634 (confirmirt von Vladislaus IV. d. d. Warschau, den 17. November 1645) dem Siegmund von Wittmannsdorf zu adlich köllmischen Rechten, frei von Pflicht und Diensten, verlieh, unter welchen 20 Hufen des Vorwerks Kuhfließ einbegriffen ist.
Seite 6, Nr. 14:Von dem Magistrate Königl. Residenzstadt Königsberg wurden mittelst Contractes d. d. Königsberg und Bubainen den 24. und 25. Juli 1726 die Stadt Güter Puschdorf und Stablacken, wie sie vom Hochmeister Conrad v. Ehrlichshausen der Stadt Königsberg d. d. 1441 die Jacobi verliehen und wie sie die Stadt 3 Secula besessen, nebst allen bisherigen Rechten, namentlich dem Kirchen=Lehn zu Puschdorf, den Gerichten groß und klein, der Jagd, hoch und niedrig u.s.w. für 12.000 Rthl. gekauft. Von dem Verkauf ausgeschlossen waren: die beiden Schulzengüter zu Puschdorf und Stablacken (conf. 21 und 27)
Seite 7, Nr. 20:Die Güter Moritzlaucken und das Dorf Frohnertswalde, beides Chatullgüter, und zwar Frohnertswalde 8 Hufen, 3 Morgen, Moritzlaucken 13 Hufen, 15 Morgen, laut Contract vom 28. und 31. August 1731 von dem Geheimrath Friedrich Cupner für 2.000 Rthl.
Seite 7, Nr. 21:Das Schulzengut zu Stablacken, 3 Hufen groß, von dem Eigenthümer George Surkau für 500 Rthl. Contract vom 24. October und 23. December 1731.
Seite 7, Nr. 27:Das Schulzengut zu Puschdorf, enthaltend 6 Hufen incl. Wald, vom Köllmer Fr. Gottfried Schulz, laut Contract d. d. Norkitten den 14. August 1748 für 1.000 Rthl.
Hiermit schließen die Erwerbungen aus älterer Zeit. In neuerer Zeit sind nur eine zur Königl. Astrawischker Forst gehörige Landfläche, ferner die Königl. Domaine Didlacken und das Kruggrundstück daselbst neu angekauft und zwar in folgender Weise:
Seite 8, Nr. 2:Die Erbzinsgüter Moritzlauken. Es war nämlich Moritzlaucken bei der russischen Invasion total verwüstet und 1765 in mehreren Antheilen gegen jährlichen Zins ausgegeben. Diese Antheile wurden in folgender Weise zurückgekauft (*4): a) Erbzinsgut Nr. 1, welches zur Größe von 6. Preuß. Hufen und einer Hufe von den Stutwiesen an Amtmann Johann Arnhold für eine Gebäude=Entschädigung von 240 Rthl. und jährliche Zins 84 Rthl. laut Erb=Verschreibung vom 20. Juni 1765 gegeben war, der es seinem "später entwichenen" Sohne überließ, worauf es 1785 Oberamtmann Friederici für 3.000 Rthl., 1795 Forstreuter für 6.500 Rthl.; 1797 Major von Preußer für 7.833 Rthl. 20 Gr., 1800 Fabrik=Direktor Schimmelpfennig für 11.000 Rthl. und 1805 Kämmerer Baumdicker für 11.100 Rthl. erkauften. In den Subhastations=Termin vom 9. April 1811 wurde es für 5.000 Rthl. zurückgekauft. Schimmelpfennig  verlor bei diesem Gute über 4.000 Rthl. b) Die Erbzinsgüter Nr. 3, 4, welche je 2 Hufen groß ohne Kaufgeld gegen Erbzins von je 24 Rthl. 1765 ausgegeben waren, von der Pfarrerwitwe Cölestine Suche durch Contract vom 23. November 1833 für 2.700 Rthl. c) Erbzinsgut Nr. 2, gleichfalls in der Größe von 2 Haufen 1765 ohne Kaufgeld gegen einen Erbzins von 24 Rthl. gegeben, von dem Gottlieb Werneyer laut Contract vom 13. September 1834 für 2.000 Rthl.
Im Ganzen für 9.700 Rthl.
Seite 8, Nr. 3:Die Erbzinsgut Albrechtsthal, welches laut Erb=Verschreibung vom 2. Januar 1770 dem Actuarius Friederice in der Größe von 10 meistens wüst liegenden Hufen nebst einer Schankgerechtigkeit für eine Gebäude= Entschädigung von 200 Rthl. und einen jährlichen Erbzins von 120 Rthl. übergeben war, worauf es, nachdem noch eine Weide=Entschädigung von 1 Hufe 26 Morgen hinzugekommen war, Siemon Reuter 1789 für 4.400 Rthl. und 1798 der Oberamtmann Laddey für 11.050 Rthl. kauften. Unterm 14. Mai 1816 wurde es, nachdem noch laut Erbzinsbrief vom 10. Mai 1798 - 8 Hufen, 28 Morgen, 165 Quadratruten sogenannter Albrechtsthaler Dresch und 1 Hufe von den Stutwiesen, welche Länderein Laddey zur Belohnung seiner treuen Dienste ohne Kaufgeld nur gegen jährlichen Zins von 100 Rthl. erhalten hatte, zugekommen war, von dem Sohne des Oberamtmann Laddey für 16.000 Rthl. zurückgekauft (*5).
Seite 8, Nr. 6:Das Kruggrundstück Piathen, 75 Morgen 71 Quadratruten anno 1836 für 1.765 Rthl.
Seite 8, Nr. 9:Sechs Eigenkäthner Grundstücke, nämlich: 2 in Bubainen 1831 700 Rthl., 1 in Schwägerau 1832 250 Rthl., 1 in Cosacken 1837 116 Rthl. 20 Sgr., 1 in Bubainen 1837 119 Rthl., 1 in Piathen 1837 235 Rthl.; zusammen   1.420 Rthl. 20 Sgr.
Nachstehende Tabelle ergibt den summarischen Kaufpreis, welcher fü,r den ganzen Güter=Complex in seiner gegenwärtigen Gestalt gezahlt ist.
lfd. Nr. Namen der erworbenen Güter und Dörfer Jahr Rthl. Sgr. Pf. 1.Die Bubain'schen Güter 1721 8.331 27 4 2.Schwägerau'sche Güter 1721 18.000 3.Woymothen, Auer, Metschullen 1721 7.000 4.Norkitt'schen Güter 1721 14.000 5.Knoblochs Gut in Wiepeninken 1722 1.300 6.Hundertmarks Gut in Wiepeninken 1722 800 7.Wittgirren, Eßeratschen 1722 2.500 8.1/4 von Kutkehmen 1722 900 9.1/4 von Kutkehmen 1724 1.000 10.1/4 von Kutkehmen 1724 1.000 11.1/4 von Kutkehmen 1724 1.000 12.Almenhausen'sche Güter 1724 12.833 10 13.Piathen, Eschenbruch, Kuhfließ, Damerau 1724 7.100 14.Puschdorf und Stablacken 1726 12.000 15.Claußen's Gut in Piathen 1726 1.175 16.Bergau's Gut in Piathen 1726 1.100 17.Schernuppen 1731 1.600 18.Ußballen 1731 1.000 19.Birkenfeld 1731 1.400 20.Frohnertswalde, Moritzlauken 1731 2.000 21.Schulzengut Stablacken 1731 500 22.Schalupchen, Endrinnen 1736 1.200 23.Sittenfeld 1739 1.200 24.Weiße Rose 1741 100 25.Schwarze Rose I 1741 423 25.Schwarze Rose II 1742 433 26.Schulzengut Puschdorf 1748 1.000Es beläuft sich also der Kaufpreis des Güter Complexes in seiner ursprünglichen Gestalt auf
Rthl. Sgr. Pf. 100.896 7 4Hierzu die neuerer Zeit erworbenen Besitzungen:
lfd. Nr. Namen der erworbenen Güter und Dörfer Jahr Rthl. Sgr. Pf. 1.1378 Morgen 137 Quadratruten von der Astrawischker Forst 1818/20 17.590 20 2.Domaine Didlacken und Bärenhof 1836 45.640 14 3 3.Kruggrundstück Didlacken 1857 1.600Die Summe 17.520 Thlr. 20 Sgr. ist in "Bonus" gezahlt. Nach wirklichem Geldwert = pr. p. 11.800 Thaler.
Der ganze Erwerbspreis beläuft sich also auf 165.727 Rthl. 11 Sgr. und 7 Pfennig.
Zu dieser Summe sind nun noch die Kaufgelder für die angekauften resp. zurückgekauften Erbzinsgrundstücke, welche der Guts=Herrschaft gehörten und jährlichen Zins (Erbzins) an sie zahlten, hinzuzurechnen, nämlich:
lfd. Nr. Namen der erworbenen Güter und Dörfer Jahr Rthl. Sgr. Pf. 1.Mühlenetablissement Bubainen 1822 100.000 2.Erbzinsgüter Moritzlauken 1811-34 9.700 3.Erbzinsgut Albrechtsthal 1816 16.000 4.Erbzinsgut Kirschland 1827 450 5.Erbzinsgut Klein Paradeninken 1835 4.000 6.Kruggrundstück Piathen 1836 1.765 7.Drei Bauerngrundstücke in Mangarben 1841 3.200 8.Sieben Bauerngrundstücke in Wiepeninken 1844-45 4.725 9.Sechs Eigenkäthnergrundstücke 1831-41 1.420 20 10.Erbzinsgut Sittenfeld 1800 3.950Der bei Sittenfeld angegebene Betrag ist die Differenz der Verkaufs= und Rückkaufssumme.
Von dieser Summe waren nun noch die Beträge für verkaufte Grundstücke, sowie ferner die Ablösungs=Capitalien für die von den Einsaßen an die Gutsherrschaft zu entrichtenden Hilfs=Dienstgelder, Besatzgelder etc. in Abrechnung zu bringen, letztere in sofern, als durch das Aufhören der Zinszahlungen, des Eigenthumsrechts der sogenannten Bauer=Besatzstücke eine substantielle Verminderung des Werthes der Güter im Ganzen herbeigeführt wurde.
lfd. Nr. Namen der erworbenen Güter und Dörfer Jahr Rthl. Sgr. Pf. 1.an Simon Kreutzaler 8 Hufen, 22 Morgen, 137 1/5 Quadratruten (der von Eßeratschen bei der Separation zugekommene Antheil ) 1821 2.000 2.an Friedrich Kurpion 3 Hufen, 28 Morgen, 64 Quadratruten (Kumpchener Antheil von der Separation her) 1822 810 3.an Gotthold Baltrusch ca. 3 Morgen vom Paradeninker Felde 6/4 1840 122 12 4.für 1/3 Morgen zur Schwägerauer Schule vom Schwägerauer Felde 1840 50 5.an Heydebruch 3 Morgen, 9 Quadratruten von dem angekauften Piathener Kruggrundstücke 1841 100 6.an August Laupichler das Forst=Etablissment in Puschdorf nebst 160 Morgen 108 Quadratruten 20.09.1850 4.500 7a.an den Fiskus: von Kutkehmen 1 Morgen 23.06.1847 75 7b.an den Fiskus: 278 Morgen, 128 Quadratruten zum Eisenbahnbau 1858 u. 62 41.307 5
An Ablösungs=Capitalien sind gezahlt: 1. Ablösung für die Hülfsdienstgelder sowie für die von den Bauern bei der Separation baar zu bezahlenden Besatzstücke (laut Amts=Journal von 1822-1847) 31.404 Rthl., 2 Sgr. und 9 Pfennig. 2. Ablösung für die von den Einsaßen an die Gutsherrschaft zu entrichtenden Abgaben 1853 in sogenannten Rentenbriefen gezahlt 38.489 Rthl., 18 Sgr. und 6 Pfennig.
sodaß für die ges. herzogl. Güter in Ostpreußen ein Kaufgeld von 192.079 Rthl., 23 Sgr. und 4 Pfennig als
baar gezahlt anzunehmen wäre.
In Anbetracht der dem Preußischen Königshause geleisteten Dienste, erhielt Fürst Leopold vom Könige Friedrich Wilhelm für die in Ostpreußen erworbenen Güter sehr bedeutende Freiheiten und Vorrechte, welche gegenwärtig allerdings im Wege der Gesetzgebung zum größten Theile aufgehoben sind.
...Fürst Leopold erhielt nach der erstbenannten Verschreibung folgende von ihm aqquirirte Güter:
...Das v. Knoblochsche Gut zu Wiepeninken, Hundermarks Hufen daselbst, Wittgirren und Eßeratschen, die Güter Kutkehmen, und Almenhausen mit den dazu gehörigen Dörfern und Vorwerken Ranglacken, Reifschläger's und Albrechtsthal, nebst Bioten und Eschenbruch als freie adliche köllmische Besitzungen, worauf keine Abgaben und Lasten außer des nie zu erhöhenden General=Huben=Schoßes von jährlich 438 Rthl. 80 Gr. und 15. Pf. ruhen. Eine dritte Königl. Urkunde d. d. Berlin den 3. September 1727 gewährt den von den bisherigen Besitzern Clauhs und Bergau angekauften Freigütern im Dorfe Biothen, Pojahten (Piathen) gleichfalls adliche köllmische Rechte, "mit denselben Freiheiten, Herrlichkeiten und Priviegien, die Sr. Liebden in denen über Ihre übrige Preuß. Güter vorhin ertheilten Verschreibungen bereits verliehen."
...Von den übrigen im Laufe der Zeit erworbenen Gütern sind Puschdorf, Stablacken, Schernuppen, Ußballen, Birkenfeld, Schalluppen und Nendrinnen gleichfalls in adlicher Qualität von den Vorbesitzern übernommen. Hingegen sind die Güter: 1. Frohnertswalde 8 Hufen, 3 Morgen 2. Moritzlauken 13 Hufen, 15 Morgen 3. Sittenfeld 7 Hufen, 28 Morgen 4. Rose   8 Hufen, 4 2/3 Morgen
zusammen also 37 Hufen und 20 2/3 Morgen als ehemalige Chatullgüter nur schlecht weg kölmisch.
Seite 15Historisch=topographische Nachrichten über die zur Herzoglichen Begüterung gehörigen Ortschaften.
Im Laufe der Zeit sind mannigfache Veränderungen in der benennung einzelner Güter vorgekommen.
Eine verhältnismäßig bedeutende Anzahl alter Namen, wie sie in den Kauf=Kontrakten und in den Königl.Privilegierten=Briefen angeführt sind, existirt heutzutage nicht mehr, während eine nicht minder bedeutende Anzahl neuer Namen entstanden ist. Die Vergleichung der gegenübergestellten Nachweisungen sämmtlicher Ortschaften, wie sie A. nach den Kauf=Contrakten und Königl. Gnadenbriefen vorhanden waren, und B. wie sie gegenwärtig vorhanden sind, wird diese nicht uninteressanten Veränderungen ersichtlich machen.
Gegenüberstellung der Orts-Namen in der Herzoglichen Begüterung, wie sie
Nr. nach dem Kauf=Contrakten und Königl. Gnadenbriefen vorhanden waren gegenwärtig vorhanden sind 1.Abschruten Existirt dem Namen nach nicht mehr 2.Albrechtsthal Albrechtsthal 3.Almenhausen Almenhausen 4.Auer, Krug gehört nicht mehr hierher 5.Benkehmen existirt dem Namen nach nicht mehr 6.Bubainen, Gr., Gut und Dorf Bubainen, Gr. 7.Bubainen, Kl. Bubainen, Kl. 8.Birkenfeld Birkenfeld 9.Castaunen Castaunen 10.Cosacken Cosacken 11.Damerau oder Domerau Damerau 12.--- Eichenwalde (neues Etablissement) 13.Endrinnen oder Nenedrinnen existirt dem Namen nach nicht mehr 14.Eschenbruch Eschenbruch, Kl. 15.Eßeratschen oder Eßerischken Eßeratschen 16.--- Friedrichswalde (neues Etablissement) 17.Frohnertswalde Frohnertswalde 18.Gaizuhnen gehört dem Namen nach nicht mehr hierher 19.--- Görschenwalde (neues Etablissement) 20.--- Hopfenau (neue Colonie) 21.Kermuschienen existirt dem Namen nach nicht mehr 22.--- Kirschland (neuee Etablissement) 23.--- Kreywutschen oder Kribudßen 24.Kuhfließ Kuhfließ 25.--- Kumpchen 26.Kutkehmen oder Kudkeimen Kutkehmen 27.Mangarben Mangarben 28.Matheninken gehört nicht mehr hierher 29.Metschullen oder Matschullen Metschullen 30.Milchbude Milchbude 31.Moritzlaucken Moritzlauken 32.--- Neuendorf 33.Norkitten Norkitten 34.Obehlischken, Kl. existirt dem Namen nach nicht mehr 35.Paradeninken Paradeninken 36.--- Pfeiffershöhe (neues Etablissement) 37.Piathen, Biothen, Bojahten Piathen 38.Plattenischken, Kl. gehört dem Namen nach nicht mehr hierher 39.Pratenischken existirt dem Namen nach nicht mehr 40.Puschdorf Puschdorf 41.Ranglacken Ranglacken 42.Reifschlägers existirt dem Namen nach nicht mehr 43.Rose, Schwarze und Weiße Rose 44.Schalluppen existirt dem Namen nach nicht mehr 45.Schernuppen oder Czarnuppen existirt dem Namen nach nicht mehr 46.Schloßberg Schloßberg 47.Schmilginnen existirt dem Namen nach nicht mehr 48.Schwägerau Schwägerau 49.Sittenfeld Sittenfeld 50.Skruschen existirt dem Namen nach nicht mehr 51.Stablacken Stablacken 52.--- Stutterei (neues Etablissement) 53.Terlen existirt dem Namen nach nicht mehr 54.Ußballen existirt dem Namen nach nicht mehr 55.--- Waldhausen (neues Oberförster Etablissement) 56.Wittgirren, Kl. Widgirren oder Wittgirren 57.--- Wiesenhorst (neues Etablissement) 58.Wiepeninken Wiepeninken 59.Woynothen Woynothen 60.Ferner Didlacken nebst Bärenhof
2. Albrechtsthal gegenwärtig eine Pachtung des Amtmann Wehmeyer, gehörte ursprünglich zu den großen Almenhausen'schen Gütern (cfr. ad 3)
3. Almenhausen zur Zeit eine Herzogl. Pachtung des Amtmann Ackermann. Der vormals sehr bedeutende Almenausen'sche Güter=Complex gehörte - soweit die ältesten Nachrichten reichen - der von Wittmannsdorf'schen Familie und kam dann im Mannslehn 1634 an das von Lesgewang'sche Geschlecht. Die Lesgewangs waren eins der reichsten und vornehmsten Geschlechter und von anerkannt altpreußischem Geblüte. Sie hatten Ihren Stammsitz in dem jetzigen Domainen=Amt Liesken ( woher auch ihr Name Lieskewang, später Lesgewang ) und besaßen weite umfangreiche Güter z.B. Kußitten, Maßaunen, Zanderborken. Mit Carl Ludwig von Lesgewang, Erbherrn von Kußitten, starb dieses ehemals blühende Geschlecht, das sich in vielen Linien weit verzweigt hatte und dessen Verwandtschaft mit fast allen älteren, noch blühenden Preußischen Adels=Familien sein Andenken bewahrt, im Jahre 1796 vollständig aus (*7). Die Almenhausen'schen Güter bestanden nach einem auf Veranlassung des Pfandinhabers Wolff v. d. Gröben 1709 aufgenommenen Inventario aus: 1. dem hochadligen Hofe, 2. der Wassermühle, 3. dem Dorf Ranglacken ( 6 Bauern ), 4. dem Vorwerke Albrechts=Thal, 5. dem Walde und 6. dem Vorwerke Reifschlägers mit einem Flächen=Inhalte von p. p. 110 Hufen. Es befand sich indeß Alles in dem heillosesten Zustande. Die Gebäude waren verwohnt und baufällig, es fehlte an lebendem und todtem Inventarium, der Wald war durchgehends ausgehauen und nichts darin als "jung Holz und Gesträuch". Gröben hatte, als er die Güter in Pfand nahm, eine Menge Geldes hineinstecken müssen (*8) und war aus diesen Gründen denn auch nicht auffallend, daß diese Güter zum vollen Werthe verschuldet waren und der abgehende ( minderjährige ) Besitzer Ludwig Gottlieb von Lesgewang nicht mehr als 1.000 Gulden gezahlt erhielt. In den gerichtlichen Hypotheken=Akten ist - neben mancher anderen Unrichtigkeit - der Kaufpreis von Almenhausen auf überhaupt 1.000 Gulden oder 333 Rthl. 10 Sgr. angegeben. Die Reluitionssumme, welche nach der vorhandenen Quittung 12.500 Rthl. betrug, ist übersehen worden.
11. Damerau, Domerau, auch Schöndamerau (*10) genannt, ist gegenwärtig ein kleines Bauerndorf und gehörte ehemals zu den Piathenschen Gütern (cfr. Nr. 37)
14. Eschenbruch, Kl., heutzutage ein Privat=Gut des Besitzers Rohrmoser, ehemals zu den Piathenschen Gütern gehörig (cfr. Nr. 38); es war 1645 Siegismund von Wittmannsdorf zu adligen Rechten verliehen.
17. Frohnertswalde, gegenwärtig ein Privat=Gut des Besitzers Schlodtmann. Es hieß ursprünglich Fronhardtswalde und wurde unterm 4. August 1689 als 8 Hufen 3 Morgen große Wildniß dem Michael Fronhard zu köllmischen Rechten, frei von allen und jeden Pflichten, außer Kirchenpflicht, "wovon Niemand exemp sein kann", gegen jährlichen Zins von 108 Mark "erb= und ewiglich von dem Oberforstmeister George Adam von Schlieben verliehen", welche Verleihungsurkunde der Churfürst Friedrich v. Brandenburg d. d. Cölln an der Spree den 9. Januar 1697 konfirmirte.
24. Kuhfließ, zur Zeit ein Privat=Gut des Besitzers Worseck, wurde ehemals mit den Piathen'schen Gütern angekauft (cfr. Nr. 37).
31. Moritzlauken, eine Pachtung des Amtmann Werner, war ursprünglich dem Jacob Mauritz, von dem es den Namen hat ( Moritzlaucken=Moritzfelde ) als Wildniß in der Größe von 13 Hufen 15 Morgen unterm 10. Januar 1690 zu köllmischen Rechten, frei von allen und jeden Pflichten ( ausgenommen Kirchenpflicht ) gegen einen jährlichen Zins von 199 Mark verliehen. Die Verleihungs=Urkunde ist vom Churfürsten Friedrich d. d. Cölln an der Spree unterm 9. Januar 1697 confirmirt. Moritzlauken wurde nebst Frohnertswalde 1730 von Geheimrath Kupner käuflich erworben.
36. Pfeiffershöhe, ein Forst=Etablissement im Forstrevier Puschdorf im Jahre 1824 neu erbaut und zu Ehren des Kammerrath Pfeiffer benannt.
37. Piathen oder Biothen, auch Pogothen, eine Pachtung des Amtmann Wehmeyer nebst einem Eigenkäthnerdorf in der Nähe des Menge= ( zu Deutsch: Dorsch ) Baches in den Pregel. Es hat den Anschein, als on dieser Ort das alte Pogotowe ist, welches der Landmeister C. v. Thierberg dem Schalauer ( aus dem gau Schalauen ) Girdolle im Jahre 1287 nebst 10 Familien mit Whitingsrecht verlieh. Da man wiederholentlich in der Nähe dieses Ortes Hünengräber - worin Urnen mit Asche - gefunden, läßt sich vermuten, das Piathen schon von den Urpreußen bewohnt gewesen ist (*10). Es hat sich nur feststellen lassen, daß der adliche Hof zu Piathen im Jahre 1551 erbaut ist. Die Chronik von Wehlau ( Piathen liegt in der Nähe von Wehlau ) sagt wörtlich: "Anno 1551 hat Bart. Petzdorf, Burggraf zu Tapiau, einen Hof in Piathen erbaut und Dachsteine von der Kirche abnehmen und damit seinen Hof decken lassen. Dieser Bart. Petzdorf ist ein großer Feind der Wehlauer gewesen, hat ihnen viel Hochmuth zugefüget, aber endlich ist es über ihn ausgegangen: denn der Landesfürst hat ihn 1567 vom Amt mit Schanden verstoßen und - fügt der Chronist sehr naiv hinzu - zuletzt starb er und ward zu Puschdorf begraben, auch alle seine männlichen Erben." (*16). Von den von Petzdorfs kam Piathen auf das von Schlubhut'sche Geschlecht, welches anerkannt von altpreußischem Adel herstammte und zu den vornehmsten des Landes gehörte. Es leitete seinen Namen von dem Stammsitze Schlobitten oder Schlubitten her und besaß sehr bedeutende Güter. Ein eigenthümlicher Unstern waltete über diesem edeln Geschlechte. Johann Theodor von Schlubhut hinterließ 4 Söhne, von denen einer als preußischer Lieutenant in Italien fiel, während der zweite als polnischer und chursächsischer Kapitain in Ungarn sein Ende fand. Der dritte, Kriegs= und Domainen=Rath Albrecht Ernst, endete in Folge der unbeugsamen Strenge König Friedrich Wilhelms 1733 sein Leben auf dem Schaffot, und der vierte Sohn, Johann Heinrich von S. starb als dänischer Oberst zu Roeskilde. Mit ihm erlosch das ganze ehemals blühende Geschlecht (*17) Von den Schlubhut's war Piathen auf die Familie von Hohnsdorf gekommen und 1667 an die bürgerliche Familie Pöpping käuflich übergegangen (*10), bei welcher es bis zum Ankaufe Seitens des Fürsten Leopold ( 1724 ) blieb.
40. Puschdorf - beim Ankaufe wie jetzt ein Kirchdorf - war nebst Stablacken "die Jacobi 1441" vom Hochmeister Conrad von Ehrlichshausen der Stadt Königsberg verliehen. In der aus dem Archive der genannten Stadt extrahirten Abschrift der Verleihungsurkunde heißt es wörtlich: "dazu geben wir en czwei Dorffer als mit namen puschdorff das Sechczig Huben bynen seynen Grenitzen sal behalden vnd Stabelawken Im Cammerampte Welav gelegen nach Inhaldung derselben Dorffer Handfeste mit aller czubehornung als wir vnd vnsere orden die besessen vnd gehadt haben." Wie es weiter in der Verschreibung heißt, geschah die Verleihung als Ersatz für "etzliche Gebrechen und schelungen von etzlicher vier Artikel der Stadthandfeste". Man möge sich hierbei erinnern, daß dies um die Zeit standfand, als die Städte dem Orden fortwährend Opposition machten und ihre Macht und ihr Ansehen auf Kosten des Ordens in dem gleichen Verhältnisse mehrten, wie der Orden sank. Um sich eine oder die andere Stadt geneigt zu machen und die schwindende Macht zu erhalten, sah sich der Ritterorden genöhtigt, Conzessionen zu machen und für angeblich häufig aus der Luft gegriffene Verletzungen von Städte=Privilegien ( Gebrechen und Schelungen der Handfeste ) mit Landbesitz eine Gunst zu erkaufen, die doch nur immer von kurzem Bestand war. Nach den ältesten Kirchen=Nachrichten vom Jahre 1631 hatte 48 kulmische Hufen nebst dem Walde. Auch befand sich darin eine - seit langer Zeit eingegangene -Wassermühle.
41. Ranglacken, auch Randlauken genannt, ( d. h. Feld am Rande scil. des Waldes ), jetzt ein Bauerndorf gehörte ehemals zu den Almenhausen'schen Gütern und war nach einer Nachricht aus dem Jahre 1631 damals 19 kulmische Hufen groß.
*1Kirchen=Chroniken von Norkitten und Puschdorf, sowie die beiden Königl. Privilegien den 28. August 1721 und 11. October 1724 abschriftlich im Amts=Archiv befindlich zu Norkitten.
Ferner: Brief Friedrichs des Großen (damals Kronprinz) an Voltaire d. d. Insterburg den 27. Juli 1739, worin es heißt: "Diese Provinz - nämlich Preußisch=Litthauen - ward zu Anfange dieses Jahrhunderts von der Pest verwüstet, und es kamen mehr als Dreihundert tausend Einwohner vor Krankheit und Elend um. Der Hof wußte wenig von dem Unglück des Volkes und leistete einer reichen und fruchtbaren Provinz, die sehr bevölkert und an allen Arten von Produktion ergiebig war, nicht die mindeste Hilfe. Die Einwohner wurden von Krankheiten weggerafft, die Felder blieben unbebaut und wurden zu Haiden. Auch die Thiere waren von dem allgemeinen Unglück nicht ausgenommen. Mit einem Wort: die blühendste von unseren Provinzen ward in die schrecklichste Einöde verwandelt.. Während der Zeit starb Friedrich I. und ward mit seiner falschen Größe begraben, die er nur in leerem Pomp und in dem Prunk nichtiger Ceremonien setzte. Mein Vater, der ihm in der Regierung folgte, ward von dem allgemeinen Elend gerührt. Er ging selbst hierher und sah mit eigenen Augen in diesem weiten verheerten Lande alle die schrecklichen Spuren, die eine ansteckende Seuche, Hungersnoth und der schmutzige Geiz der Minister hinter sich zurückgelassen. Zwölf oder fünfzehn entvölkerte Städte, vier oder fünfhundert unbewohnte und ungebaute Dörfer waren das traurige Schauspiel, das sich seinen Augen darbot. Anstatt sich von so widrigen Gegenständen zurückschrecken zu lassen, fühlte er sich vielmehr von den lebhaftesten Mitleiden durchdrungen und beschloß, dieser Gegend, die selbst die Gestalt eines bewohnten Landes verloren hatte, Menschen, Ueberfluß und Handel wiederzugeben." u.s.w.
*2Siehe oben benannte beide Privilegia, worin es wörtlich heißt: "Wir Friedrich Wilhelm etc. thun kund etc.